Im Windsurfer-Paradies von Naxos

 

 

 

 
 
(30.03.2007)
Naxos ist die größte Kykladeninsel. Am Strand und in der Lagune nebenan herrschen meist «Side-Shore-Bedingungen» - der Wind bläst von der Seite. «Das ist das Beste, was es für einen Surfer überhaupt gibt.»
Sie war eine wunderschöne Frau von königlichem Geblüt: Ariadne, die Tochter des Kreterkönigs Minos. Viele Männer begehrten sie. Sie entschied sich für den Weingott Dionysos, der ihr einen prunkvollen Palast auf der Insel Naxos erbauen ließ - soweit die griechische Mythologie.

Heute ist von dem Palast nicht mehr viel übrig. Lediglich der nach der schönen Dame benannte Ariadne-Bogen erhebt sich bröckelnd vor der Inselhauptstadt Chora und zieht vor allem in den Abendstunden verliebte Pärchen an.

Der Wind bläst von der Seite
Doch die meisten Gäste kommen nicht wegen der antiken Überreste hierher. Vielmehr ist Naxos bei Windsurfern beliebt, vor allem am Strand südlich von Chora. Naxos ist mit einer Fläche von 428 Quadratkilometern und 148 Küstenkilometern die größte Kykladeninsel. Am Agios-Georgios-Strand und in der Lagune nebenan herrschen meist «Side-Shore-Bedingungen» - der Wind bläst also von der Seite auf das Segel.

«Das ist das Beste, was es für einen Surfer überhaupt gibt», erklärt Jan Andres. Der 42-jährige Deutsche ist vor zwölf Jahren nach Naxos gekommen, um sich hier als Gastronom und Hotelier ein neues Leben aufzubauen. Aus einer ehemals vereinsamten Surfstation in der Lagune hat er einen gut besuchten Surfspot mit Surfschule, Bar und Materialverleih gemacht. Hier kommen Anfänger ebenso wie Fortgeschrittene auf ihre Kosten. «Die Lagune ist ein großes Stehrevier, zudem können die Anfänger nicht abtreiben - und für die Könner haben wir den Nordwind Meltemi mit sechs bis sieben Windstärken», erläutert Andres.

Außerdem sind der Lagune zahlreiche Riffplatten vorgelagert, an denen sich die Wellen brechen und die den Profis einen noch aufregenderen Ritt auf dem Brett ermöglichen. Am benachbarten Strand selbst, direkt vor der Beach-Bar gelegen, toben sich zumeist nur die absoluten Könner aus - denn hier sind bei entsprechendem Wind richtig hohe Wellen unterwegs. Zu den Könnern gehört auch der Naxote Michalis Roussos.

Ein ungewöhnlicher Grieche
So oft es geht, steigt der 35-Jährige aufs Brett. «Surfen ist für mich die beste Möglichkeit, um zu entspannen», sagt er. Im Alter von 17 Jahren hat Roussos mit diesem Sport angefangen und ist damit einer der wenigen Naxoten - oder überhaupt von nur wenigen Griechen - die sich für Wassersport interessieren. «Die Griechen spielen eher Fußball. Mit Wassersport haben sie eigentlich nichts am Hut», erzählt er.

Auch das Leben von Hans-Joachim «Kutte» Priessner wird vom Wassersport bestimmt. Der 58 Jahre alte, ehemalige Profi-Materialtester und frühere Chefredakteur eines bekannten Surfmagazins lebt von April bis Oktober auf Naxos und organisiert Tages-Segeltörns für Urlauber. «Es gibt viele interessante Spots auf Naxos, und wenn es mal windstill ist, können die Gäste reiten, wandern oder radeln.» Zum Surfen empfiehlt Priessner zudem den Azala-Strand bei Moutsouna. Als «Naxos-Virus» bezeichnen die Insulaner, was viele Menschen dazu bewegt, immer wieder hierher zu kommen. «Die meisten unserer Gäste sind Stammgäste», bestätigt Jan Andres.

Umsteigen bei der Anreise
Massentourismus wird es auf der Insel so schnell nicht geben, schließlich ist die Anreise mit teils mehreren Umstiegen verbunden. Denn Naxos ist eine der wenigen griechischen Inseln, die nicht von Linienflügen angesteuert werden. Die Start- und Landebahn ist zu klein für große Maschinen und soll auch in den kommenden Jahren nicht ausgebaut werden.

Zu den Stammgästen, die regelmäßig zum Surfen und Ausspannen nach Naxos kommen, gehört auch Comedian «Atze» Schröder. Er schätzt an der Insel die optimalen Windverhältnisse, die sauberen Strände, die Altstadt von Chora und die Stille. «Naxos ist einfach nur genial», sagt Schröder und stellt sich im Neoprenanzug aufs Surfbrett.
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