Wir bauen keine Luxuspiste

 

 

 

 
 
(04.08.2005)
Stoibers Kabinett billigt Flughafen-Pläne und gelobt Besserung
München - Der Satz klingt so, als habe man eine goldumrandete Piste mit Fußbodenheizung bauen wollen. Nein, verspricht Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, "die Luxusvariante werden wir nicht wählen". Beim Bau der dritten Startbahn am Münchner Flughafen gibt sich die Staatsregierung bescheiden und gesprächsbereit. Planungsfehler der Vergangenheit will sie korrigieren.

Neue Wege zum Flughafen: DerTransrapid von der Münchner City ins Erdinger Moos.
Foto: dpa
Die Standort-Entscheidung fällt noch im Herbst. Luxusvariante, das wäre die teuerste Lage der Startbahn: so weit weg von den bestehenden zwei Bahnen, dass fast gleichzeitig drei Flugzeuge unabhängig voneinander landen könnten. Für diesen Standort müssten zwei Dörfer abgesiedelt werden.

Ein Signal, das die Regierung vermeiden will. "Wir gehen jetzt einen anderen Weg als vor 30 Jahren", erinnerte Wiesheu gestern im Ministerrat an die ersten Flughafen-Planungen: "Damals hat man das gemacht. Ob protestiert wird oder nicht, war egal." Einen "sehr transparenten, offenen Kurs" forderte er, ehe das Kabinett dem Flughafen-Ausbau zustimmte.

Mit den Anwohnern - sie erfuhren von allen Plänen erst aus der Zeitung - soll es einen "intensiven Dialog" geben. Findet der neue "Nachbarschaftsbeirat" Kompromisse, sollen dahinter auch Flughafen-Interessen zurückstehen: "Wenn es eine Verständigung gibt, dann zählt das. Fertig!" Das sagt Wiesheu.

Zu stoppen ist das Riesenprojekt ohnehin kaum mehr. Politisch ist der Weg jetzt frei. Die drei Flughafen-Gesellschafter Freistaat (51 Prozent), Bund (26) und Stadt München (23) unterstützen in vollem Umfang die dritte Bahn. "Weil sonst die Langstreckenflüge nicht mehr in München starten, sondern in Zürich", sagt Ministerpräsident Edmund Stoiber. Schon 2010 soll der Flughafen an die Kapazitätsgrenze stoßen.

Intern rechnete die Flughafen-Gesellschaft FMG aus, wie eine Pisten-Finanzierung ohne Steuergelder funktionieren könnte. Die FMG wird Kredite aufnehmen, womöglich der Lufthansa einen Zuschuss abringen. Neue Gesellschafterdarlehen, zinslose gar, schließt Wiesheu aus.

Auf den Staat rollen ohnehin reichlich Nebenkosten zu. Wenn die Passagierzahlen wie erwartet in den nächsten fünf Jahren nochmal um ein Drittel steigen (und am Flughafen 28 000 neue Jobs entstehen), droht die Region im Verkehrschaos zu versinken. "Nicht optimal angebunden" sei der Flughafen, untertreibt Stoiber. Bis 2010 will die Staatsregierung jetzt die dringendsten Schienenprojekte anpacken.

Wiesheus Programm bis 2010:

* Die Strecke nach Markt Schwaben wird viergleisig.
* Die Strecke München- Mühldorf wird ausgebaut.
* Der S-Bahn-Ringschluss wird fertig.
* Die Anbindung nach Frei sing und Landshut wird verbessert.
* Ostbayern bekommt einen direkten Schienen-Anschluss an den Flughafen

Parallel dazu sollen 2010 der zweite S-Bahn-Tunnel und der Transrapid vom Hauptbahnhof zum Flughafen fertig werden. Wiesheu hofft für all diese Vorhaben auf zusätzlichen Rückenwind (und Geld) durch einen Regierungswechsel im Bund: "Wir drängen massiv darauf, dass diese Infrastrukturmaßnahmen gemacht werden."

Die Landtags-Grünen sehen ein "Horrorszenario" und lehnen Start- wie Schwebebahn ab. "Die so genannte Jobmaschine ist ein Luftschloss", sagt ihr Verkehrsexperte Christian Magerl. Die Region stehe am Rande der Vollbeschäftigung. Die SPD spricht sich gegen den Transrapid, aber nicht gegen den Flughafen-Ausbau aus.


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