Nur wer genau die Angebote studiert, kann im Urlaub getrost sagen: "Nebenkosten Nebensache". Ganz klar: Das Angebot, nur einmal zu zahlen und dann so viel zu konsumieren wie man möchte, ist verlockend.
Das gilt für den beliebte Sonntagsbrunch genauso wie für die Internet-Flatrate. Auch bei der Urlaubsreise ist der Rundumservice zum Einmalpreis ein Renner. All-inclusive-Urlauber sollten allerdings die Angebote in den Reisekatalogen genau studieren. Denn mancher Hotelier versteht unter All-inclusive Vollpension mit ein paar Gratisgetränken. Welchen Katalog man auch aufschlägt, es gibt kaum ein Reiseunternehmen, das nicht auf All-inclusive setzt. Im Türkeikatalog von Marktführer TUI prangt sogar bei rund zwei Dritteln der Hotels ein blaues Feld mit dem verkaufsfördernden Hinweis auf den nebenkostenfreien Urlaub. Bei Angeboten für Ägypten, Bulgarien und Tunesien müssen die Kunden bei allen Reiseveranstaltern ebenfalls nicht lange nach der Marke All-inclusive suchen. Schließlich will nach Marktumfragen dieses Jahr fast ein Drittel der Deutschen Ferien ohne Nebenkosten machen.
So groß das Angebot ist, so groß sind allerdings die Unterschiede bei der Leistung. Das beginnt bei der Lage der Hotels. Vor allem Familien mit kleineren Kindern sollten die Beschreibung genau lesen, denn erst ab vier Sternen kann der Kunde erwarten, dass das Hotel direkt am Strand liegt. Darunter müssen sich die Gäste schon mal auf einen Fußmarsch über die viel befahrene Küstenstraße einstellen - mit Kindern ein zweifelhaftes Ferienvergnügen.
Fallstricke gibt es auch bei der Verpflegung. Vollpension, Snacks und Gratisgetränke sind zwar inzwischen Standard. Doch schon bei der Art der Getränke hört die Gemeinsamkeit auf. Immer inklusive sind nur nationale Getränke. Schon bei Coca-Cola verlangen manche Drei-Sterne-Anlagen einen Aufpreis. Importierte Getränke wie Weine und Brände werden meist erst ab vier Sternen kostenlos serviert. Wichtig: Achten Sie auf die Öffnungszeiten der Bars. Schließlich nützen die Gratisdrinks nichts, wenn bereits um 22 Uhr der Zapfhahn zu ist. Da hilft auch nicht der Griff in die Minibar auf dem Zimmer. Sie wird oft nur bei der Ankunft gefüllt, der Nachschub kostet extra. Mustergültig listet der Reiseveranstalter Thomas Cook die Öffnungszeiten von Restaurants und Bars auf, im Zweifel sollte man im Reisebüro nachfragen.
Beim Essen sollten All-inclusive-Reisende das Angebot mit ihren Wünschen vergleichen. Budgetbewussten Familien reicht der Standard, wenn Snacks und Eis auch außerhalb der Restaurant-Öffnungszeiten gereicht werden. Wer dagegen nicht immer vom Büfett speisen will, sondern auch einmal in trauter Zweisamkeit serviertes Essen genießen will, sollte eine Anlage mit einem separaten Spezialitätenrestaurant wählen. Der Besuch dort ist je nach Kategorie im Preis eingeschlossen, kann aber auch extra kosten.
Die größten Unterschiede gibt es beim Sportangebot. Wer mehr als Gymnastik und Strandvolleyball haben will, der muss auf jeden Fall tiefer in die Tasche greifen. Sei es beim Reisepreis oder vor Ort. Das gilt vor allem, wenn im Katalog beim Sportangebot "über Fremdanbieter" vermerkt ist. Dann kosten Tennis und Windsurfen extra. Ebenfalls ist es wichtig, auf zeitliche Begrenzungen zu achten wie wöchentlich eine freie Stunde. 60 Minuten auf dem Windsurfbrett sind schnell vorbei, bei weiteren Stunden zahlt man häufig über den Preis die Inklusivstunde mit. Das beste Sportangebot haben die klassischen Club-Anbieter Aldiana, Club Med und Robinson. Auch sie bieten neuerdings in zahlreichen Anlagen all-inclusive. Wichtig: Zum Ausleihen von Surfboards und Segelbooten ist fast immer ein Könnensnachweis nötig. Scheine von Kursen sollten daher dabei sein.
Animation ist Geschmackssache. Aber wer unterhalten werden will und auch abends gern mal eine Show genießt, der sollte das in seine Kriterienliste mit aufnehmen. Sind Kinder mit dabei, dann ist ein Babysitterdienst praktisch, der fast immer extra kostet. Gratis ist dagegen immer der Kinderklub tagsüber. Sparsame Hoteliers neigen allerdings dazu, die Betreuung nur wenige Stunden am Tag zu bieten. Das gilt vor allem für die Nebensaison. Wichtig ist zudem, dass es für die Altersgruppe der eigenen Kinder Betreuung gibt und dass die Betreuer Deutsch sprechen.
Schließlich gilt es noch, die Kleinigkeiten zu klären. Denn manchmal kassieren die Hoteliers dafür extra: Ist der Fön gratis? Kostet der Safeschlüssel Aufpreis? Wie ist es mit den Liegenauflagen und den Handtüchern am Pool? Einfallsreich ist die Variante, für einen kühlenden Ventilator bei Hotels ohne Klimaanlage Geld zu verlangen. Das wird nur noch übertroffen von der Idee eines Hoteliers auf Gran Canaria, die Bungalows mit Münz-TV auszustatten.
(Reise-preise.de)
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