Viele Fluggesellschaften bieten Rabatte und haben ihre Preise bis Mitte September um 90 Prozent gesenkt
Von Ernst August Ginten
Berlin - Die europäischen Fluggesellschaften entdecken die Kinder als Kundschaft von Morgen. So hat die Lufthansa kürzlich eine Aktion gestartet, um mehr Kinder in ihre Jets zu locken. Die Fluggesellschaft hat kurz vor den Sommerferien die Preise für Kinder für Flüge innerhalb Europas um 90 Prozent gesenkt. Und die Konkurrenz hat nachgezogen. Air France/KLM bietet inzwischen ebenfalls zusätzliche Vergünstigungen an. Auch Alitalia, Austrian und SAS locken mit satten Rabatten.
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Bei der Lufthansa gilt die Ermäßigung für Kinder bis zwölf Jahren und richtet sich nach dem jeweiligen Economy-Tarif. Ein Flug beispielsweise von Frankfurt nach Palma de Mallorca gibt es ab 63 Euro. Das Preisbeispiel gilt für Hin- und Rückflug inklusive Steuern und Gebühren bei Buchung eines elektronischen Tickets. Hinzu kommt jeweils eine Servicegebühr von zehn Euro. Das Angebot gilt laut Lufthansa für Reisen ab dem 23. Juni, die letzte Rückreise muß bis zum 11. September 2005 erfolgen.
Damit liegen die klassischen Netzwerkgesellschaften bei vielen Zielen mit ihrem Angebot auf dem Niveau von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet, die für Kinder über zwei Jahren keinerlei Ermäßigung anbieten.
Im Normalfall buchen die meisten Gesellschaften auf der Welt Kinder nach den Vorgaben der IATA ein. Danach gilt, daß ein Kind bis zum Alter von zwei Jahren ohne Anspruch auf einen Sitzplatz umsonst transportiert wird und die Eltern für ein Kind in diesem Alter für den Anspruch auf einen eigenen Sessel rund zehn Prozent des Flugpreises bezahlen müssen. Kinder bis zum vollendeten elften Lebensjahr zahlen zwischen 67 und 75 Prozent des regulären Flugpreises - abhängig von Tarif oder Strecke. Auf Langstrecken müssen Eltern aber damit rechnen, daß sie auch für die Kleinsten bis zu 75 Prozent des regulären Preises für einen eigenen Sitzplatz zahlen müssen.
Knapp zehn Prozent mehr sind es oftmals, wenn bei den drei großen Allianzen "Round-the-world-tickets" oder Airpässe für bestimmte Regionen gebucht werden.
Die Lufthansa will mit der erstmalig gestarteten Aktion in den großen Ferien ihre Flugzeuge besser auslasten - und betreibt gleichzeitig Kundenbindung. Wegen der Ferien sind weniger Geschäftsleute unterwegs. Die Maschinen müssen die Strecken aber weiter im gewohnten Takt bedienen, weil sie Zubringerdienste für die großen Drehkreuze erfüllen. Um sie nicht halbleer fliegen zu lassen setzt die Lufthansa jetzt erstmals verstärkt auf die Reiselust der rund zwölf Millionen Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Sie und ihre Eltern sollen durch den Rabatt auf die Sonderangebote der Lufthansa aufmerksam werden.
Dazu dient auch die eigens geschaltete Website Jetfriends für Kinder und Jugendliche. Jeder der sich hier registriert wird gleichzeitig Mitglied des Vielfliegerprogramms Miles&More und anhand seiner Daten künftig gezielt beworben. In Deutschland sind bereits 90 000 Kinder und Jugendliche bei Miles&More registriert. Weltweit sind es 260 000. Wer von der Lufthansa bevorzugt behandelt und zum Beispiel die Lounges uneingeschränkt nutzen will, muß sich zum Beispiel 150 000 Meilen erfliegen, um den Status Vielfliegers - Senator - zu bekommen. Die jüngste Senatorin bei der Lufthansa ist ein dreijähriges Mädchen.
(Berliner Morgenpost)
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