
Die Geschichte Griechenlands in der Antike umfasst im Rahmen dieses Beitrags etwa den Zeitraum von ca. 800-146 v. Chr. Die davor liegende Zeit wird in Geschichte Griechenlands und in Dunkles Zeitalter behandelt. Alle Zeitangaben verstehen sich als v. Chr.
Inhaltsverzeichnis
1 Griechenland in der archaischen Zeit (ca. 800-500)
2 Griechenland in klassischer Zeit (ca. 500-336)
2.1 Ionischer Aufstand und Perserkriege
2.2 Der Peloponnesische Krieg - ein antiker Weltkrieg
2.3 Spartas und Thebens Hegemonie und der Aufstieg Makedoniens
3 Griechenland im Zeitalter des Hellenismus bis zur Eroberung durch das Römische Reich
4 Zitat
5 Weblinks
6 Literatur
Griechenland in der archaischen Zeit (ca. 800-500)
Nach dem Dunklen Zeitalter formierte sich in Griechenland langsam ein neues Staatensystem. Die Polis wurde die beherrschende Staatsform (außer in Teilen von Nord-Griechenland und auf dem Peloponnes). Auch wurde die Königsherrschaft immer mehr zurück gedrängt. Es kam im Zeitraum von 750-550 zur großen Kolonisation, von welcher der Raum des Schwarzen Meeres, Kleinasien und auch Teile des westlichen Mittelmeerraums erfasst wurden (siehe vor allem Sizilien, wo um 730 Syrakus gegründet wurde). Gründe waren neben Überbevölkerung auch innenpolitische Schwierigkeiten (Stichwort stasis, als Synonym für Kämpfe innerhalb einer Polis).
Der Horizont der griechischen Welt reichte damit über den gesamten Mittelmeerraum, auch wenn der Raum der Ägäis das Zentrum bildete. In der Zeit ab 700 verstärkte sich der Einfluss orientalischer Elemente auf dem Gebiet der Kunst, wobei das mächtige Korinth eine wichtige Rolle spielte. Auch die Dichtung des Hesiod entstand in dieser Zeit, während Ilias und Odyssee wohl um 750 in schriftlicher Form niedergelegt wurde (Zeitpunkt in der Forschung umstritten).
Die ionische Philosophie entstand, während sich auf dem griechischen Festland verschiedene Poleis bekriegten. Auf dem Peloponnes war zunächst Argos lange Zeit führend; doch gelang es Sparta, nach der Eroberung Messeniens (in mehreren erbittert geführten Kriegen bis 640) und einer Reform des Gemeinwesens, zur führenden Militärmacht Griechenlands zu werden. Längst hatte sich das Militärmodel der Hoplitentaktik durchgesetzt. Um 550 gründete Sparta den Peloponnesischen Bund. Im 6. Jh. erlebte die Regierungsform der Tyrannis eine Blüte (z.B. Korinth, Sikyon, später auch in Athen). Sparta hingegen stellt sich gegen diese Regierungsform und bekämpfte sie energisch.
510 wurde die Tyrannis in Athen beseitigt. Athen war längst zur Vormacht in Attika geworden, während Theben später ähnliches in Böotien versuchen sollte. In Kleinasien kommt es kurz danach zu einem Ereignis, das Weltgeschichte schreiben wird: der Ionische Aufstand (500-494).
Griechenland in klassischer Zeit (ca. 500-336)
Ionischer Aufstand und Perserkriege
Der Ionische Aufstand der kleinasiatischen und zyprischen Griechen gegen das Perserreich wurde von Athen nur halbherzig unterstützt. Dennoch rüstete der persische Großkönig Dareios I. zum Vergeltungsfeldzug. Es ist der Beginn der Perserkriege. Athen siegt zwar bei Marathon 490, doch kommt es zehn Jahre später zu einem erneuten Feldzug unter Führung von Dareios Sohn Xerxes. 481 wurde daher der panhellenische Bund gegründet, dem neben Sparta und Athen auch mehrere andere, aber keineswegs alle, Griechenstaaten angehörten. Nach dem Hinhaltegefecht an den Thermopylen, kommt es bei Salamis zur Entscheidungsschlacht. Die Griechen vernichten die zahlenmäßig überlegene persische Flotte. (480). Ein Jahr später wurde das persische Landheer in der Schlacht von Plataiai geschlagen. 478 begann die Eroberung Ioniens. Sparta weigert sich jedoch, den Schutz fern der Heimat zu übernehmen. Athen hingegen, bisher der Juniorpartner, nahm an und gründete 477 den Attischen Seebund.
Es zeichnete sich bereits der Dualismus Sparta-Athen ab. Athen setzte den Krieg gegen das Perserreich mit Hilfe seines Bundes fort. Es intervenierte in Ägypten und im östlichen Mittelmeerraum. Dabei überstrapazierte es allerdings seine Ressourcen. Doch kam es schließlich zu einem Ausgleich mit Persien (Kalliasfrieden von 449).
Böotien verfolgte Theben eine Politik zur Errichtung einer Hegemonie über die anderen böotischen Gemeinden. Auch Athen verfolgt unter Perikles eine ähnlich aggressive Politik. Der Seebund, inzwischen längst ein Instrument zur Verfolgung athenischer Interessen, entwickelt sich zum athenischen Reich. 460-57 wurde die so genannte lange Mauer errichtet, die Athen mit dem Hafen Piräus verband und Athen selbst zur uneinnehmbaren Festung machte. Die Demokratie wurde als Mittel zum Erreichen der athenischen Ziele eingesetzt, wobei es auf athenischer Seite (besonders während des Peloponnesischen Krieges) zu zahlreichen Greueltaten kam. Vorher hatte bereits der so genannte Erste Peloponnesische Krieg (457-51) getobt. Doch kann sich die pro-spartanische Politik des exilierten Atheners Kimon durchsetzten und einen Frieden vermitteln.
Athen wurde zur Schule Griechenlands. Das Geld aus der Kasse des Seebunds ermöglicht der Bau zahlreicher Bauten. Später entwicklelt es sich auch zum Zentrum der Philosophie (Sokrates,Platon, Aristoteles). Die Athenische Demokratie wurde zwar zu einem Muster für die Zukunft, doch schützt sie nicht vor so manchen Auswüchsen der Machtpolitik. Die klassische Zeit war die Blütezeit Griechenlands und der griechischen Kultur (siehe Sophokles, Aischylos, Euripides, Polyklet u.v.a.).
In Athen wurde unter Perikles die Demokratie vollendet (60er und 50er Jahren). Doch sollte das Geschichtswerk des Thukydides, welches selbst ein Meisterwerk ist, bereits vom Niedergang berichten.
Über den Streit Korinths mit Korkyra über Handelsinteressen, der Furcht Athens vor einem Engagement Korinths im Norden und über einen Handelsstreit mit dem mit Sparta verbündeteten Megara, aber auch aus der Furcht Spartas vor einem weiteren Machtzuwachs Athens, kam es zum Pelpononnesischen Krieg (431-404).
Der Peloponnesische Krieg - ein antiker Weltkrieg
432 forderte Korinth Sparta ultimativ zum Eingreifen auf. Sparta fällt 431 in Attika ein, doch hat Perikles die Bevölkerung in den Schutz der Mauern zurück gezogen. Währenddessen plünderte die athenische Flotte den Peloponnes. Perikles rechnete mit der Erschöpung des Gegners. Dieser reagiert jedoch und marschierte in Thrakien ein und bedroht so die athenische Versorgung mit Getreide. 421 kommt es zu einem Friednesvertrag (Nikiasfrieden), doch sind die Streitigkeiten damit nicht ausgeräumt. Sparta bekämpft Argos, während Athen unter dem Einfluss des Alkibiades die folgenschwere Expedition nach Sizilien unternahm (415-13). Diese endet in einem Desaster für Athen. Die Einnahme von Syrakus misslingt. Das athenische Heer wird vernichtet, während in Griechenland Alkibiades, der zu den Spartanern übergelaufen ist, diese zu einer neuen Taktik gegen Athen überredet. In Dekeleia wird ein Stützpunkt errichtet. Persien unterstützt nun Sparta, da Athen es brüskiert hat. In Athen kam es zu einem Verfassungsumsturz (411), der aber bald rückgängig gemacht werden konnte.
Spartas neue Flotte bedrohte Athens Lebensnerv. 406 siegen die Athener noch bei Notion, doch unterlag die Flotte 405 in der Schlacht von Aigospotamoi. Athen kapitulierte 404 vor Sparta, wurde aber nicht zerstört. Korinth und Theben fühlten sich um die Erfüllung ihrer Kriegsziele betrogen und verfolgten nun eigene Ziele, auch und vor allem gegen Sparta.
Spartas und Thebens Hegemonie und der Aufstieg Makedoniens
Sparta konnte den Platz Athens nicht ausfüllen. Zwischen Sparta und Persien kam es zudem zum Krieg in Bezug auf die kleinasiatischen Griechen (400-394): Sparta weigerte sich, diese den Persern nach dem Vertrag von 412 auszuliefern. In Griechenland brachen die Kampfhandlungen nicht ab. Im Korinthischen Krieg (395-87) kämpften Argos, Athen, Korinth und Theben gegen die Spartaner. 387/86 kam es zum so genannten Königsfrieden, in Wirklichkeit ein persischer Diktatfrieden, der den Krieg zu einem Ende brachte. Sparta war aber nun in der Defensive. Athen begründete 377 den Seebund neu (allerdings verkleinert und auf einer demokratischeren Basis). Tatsächlich waren sowohl Sparta als auch Athen über das Anwachsen der thebanischen Machtstellung besorgt. Doch während die beiden alten Feinde annäherten, kam es 371 zur Schlacht von Leuktra: das spartanische Heer wurde von den Thebanern vernichtet. Dies bedeutete das Ende der spartanischen Hegemonie. 362 endet bereits die thebanische Vorherrschaft mit dem Tod ihres wichtigsten Strategen Epameinondas, doch verlor Sparta Messenien und wurde somit zu einer Macht zweiten Ranges.
Währenddessen blühte im Westen die reiche Polis Syrakus. Auf Sizilien lieferten sich Karthago und die sizilischen Griechen bereits seit dem frühen 5. Jahrhundert teils heftige Kämpfe, wobei sich beide Kräfte jedoch in etwa die Wage hielten.
Im Norden Griechenlands bestieg währenddessen Philipp II. den Thron von Makedonien. Er machte dies zur führenden Militärmacht in Griechenland. In den 50er Jahren kämpfte er gegen die Phoker und erwarb 352 die Vorherrschaft in Thessalien. 343 folgte die Eroberung Thrakiens. Athen fühlte sich von der expansiven Politik Philipps ernsthaft bedroht. Vor allem Demosthenes versuchte die anderen Griechen davon zu überzeugen, dass Philipp sie unterjochen wollte. 340 kam es zur Bildung eines Abwehrbundes, doch unterlag das Heer 338 bei Chaironeia dem Heer Philipps. Dieser gründete 337 den Korinthischen Bund und wurde zum Hegemon ernannt. Philipp ist zum de facto Beherrscher Griechenlands geworden. Seine Pläne in Bezug auf einen Feldzug gegen Persien kann er jedoch nicht mehr erfüllen: er wird 336 ermordet. Sein Sohn Alexander, später der Große genannt, wurde sie jedoch in die Tat umsetzten. Damit endete auch das klassische Zeitalter Griechenlands.
Es begann das Zeitalter des Hellenismus, indem die griechischen Poleis gegenüber den hellenistischen Großreichen nur eine untergeordnete Rolle spielten, sich die griechische Kultur jedoch bis nach Indien verbreiten sollte.
Griechenland im Zeitalter des Hellenismus bis zur Eroberung durch das Römische Reich
Griechenland blieb das Schlachtfeld der hellenistischen Großmächte. Vor allem die Antigoniden versuchten, die alte makedonische Hegemonie zu erneuern. Athens Versuch, nach dem Tod Alexanders wieder eine Macht zu werden, scheiterte kläglich (Lamischer Krieg, 323-322). An Stelle der Polis traten die griechischen Bundesstaaten. Die beiden wichtigsten waren der Aitolische Bund und der Achaiische Bund.
In Folge der Kämpfe zwischen den griechischen Klein- und Mittelmächten untereinander und mit und gegen Makedonien, kam es zum Eingreifen des Römischen Reiches gegen Philipp V. von Makedonien. Nach dem Zweiten Makedonisch-Römischen Krieg (200-197) wurde Makedonien geschlagen. 196 verkündete der römische General Flaminius die Freiheit Griechenlands, blieb aber Protektoratsmacht. Die Lage blieb weiterhin instabil. Rom musste in der Folgezeit immer wieder eingreifen. Nach der Schlacht von Pydna war Makedonien, welches unter König Perseus noch einmal versucht hatte, die Vorherrschaft in Griechenland gegen Rom zu erkämpfen, als Machtfaktor ausgeschaltet. Rom engagierte sich nun dauerhaft in Griechenland. Dies führte nach der Zerstörung von Korinth zur Umwandlung Griechenlands in eine römische Provinz (146 zu Makedonien, 27 als Provinz Achaia).
Die politische Geschichte Griechenlands war damit beendet, doch lebte die griechische Kultur im Römischen Reich fort, bis in das Byzantinische Reich.
Zitat
Die Griechen haben uns mit ihrer Einfachheit ungefähr alle wahren Ideen gezeigt, es aber der modernen Gewissenhaftigkeit überlassen, sie zu vertiefen. - Marcel Proust (aus: Tage des Lesens, ISBN 3458344187, S. 27)
Weblinks
· Gute Übersicht mit Artikeln, Karten und weiteren Links (engl.)
Literatur
· H.-J. Gehrke und H. Schneider (Hrsg.): Geschichte der Antike, Stuttgart Weimar 2000.
· Simon Hornblower: The Greek World, (Routledge Ancient History), 3. Aufl., London-New York 2002.
· Robin Osborne: Greece in the Making, (Routledge Ancient History), London-New York 1996.
[Quelle]
[Enzyklopädie: Antikes Griechenland. DB Sonderband: Wikipedia Herbst 2004, S. 12030]
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